Ein Haus mit Geschichte
Die Künstlerklause Schwalenberg ist ein Haus mit langer Erinnerung.
Errichtet um 1700 als Teil eines landwirtschaftlichen Betriebes, war sie zunächst Arbeits- und Lebensraum – eingebunden in den Rhythmus des Dorfes, geprägt von Handwerk, Alltag und Gemeinschaft.
Erst 1801 wurde das Gebäude zu einem Gasthaus, dem Gasthof Meier, umgebaut und öffnete sich damit bewusst nach außen: als Ort des Ankommens, des Gesprächs und der Begegnung.
Treffpunkt der Schwalenberger Malerkolonie
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Künstlerklause über ihre Funktion als Gasthaus hinaus. Unter dem Gastwirt Hermann Niederbracht entwickelte sie sich ab 1906 zu einem Treffpunkt für Malerinnen und Maler, die Schwalenberg als Sommeraufenthalt wählten. Hier wurde diskutiert, skizziert, gefeiert und gestritten – oft nach langen Tagen in der Landschaft der lippischen Hügel. Das innere der Klause war zahlreich mit den Werken der in Schwalenberg gastierenden Künstler bebildert. Auch ein ganz besonderes Heimatmuseum fand im Anbau, den ehemaligen Stallungen, mit vielen Exponaten und Kuriositäten seinen Platz.
In den 1920er Jahren (vermutlich 1927) setzte sich der Name Künstlerklause endgültig durch. Das Haus wurde zu einem Zentrum der Schwalenberger Malerkolonie und prägte über Jahrzehnte das kulturelle und künstlerische Leben des Ortes.
Ein bis heute sichtbares Zeichen dieser Epoche sind die prägnanten Fassadenmalereien des Malers Friedrich Eicke, die zwischen 1931 und 1933 entstanden. Sie verleihen dem Gebäude sein ganz besonderes äußeres Erscheinungsbild – Kunst gab es damit nicht nur im Haus, sondern am Haus selbst.
Stille Jahre – und ein neuer Anfang
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gasthausbetrieb fortgeführt, doch die Künstlerklause verlor immer mehr an Bedeutung und wurde mit den Jahren immer mehr zu einem Museum ihrer selbst. Mit der Schließung 1985 verlor die Künstlerklause ihre Funktion als Ort der Begegnung. Das Gebäude blieb – seine Rolle jedoch lag lange Zeit still. Das Interieur mit den vielen Bildern und auch der Inhalt des Museums wurde verkauft oder versteigert. Verschiedene neue Inhaber versuchten sich über die Jahrzente an einer Sanierung, was jedoch dazu führte, dass das Innenleben der Klause gänzlich zerstört wurde.
Nun gibt es für diesen besonderen Ort endlich wieder Hoffnung: Die Künstlerklause wird derzeit schrittweise saniert und neu belebt, mit dem Ziel, wieder ein offener Ort für Kunst, Musik und Austausch zu werden. Nicht als nostalgische Rückschau, sondern als zeitgemäße Weiterführung einer Idee, die hier tief verwurzelt ist.
Getragen von Engagement und Gemeinschaft
Maßgeblich begleitet und gestaltet wird dieser Prozess vom 2025 eigens gegründeten Verein Kulturwerkstatt Künstlerklause Schwalenberg e.V. . Der Verein ist eng an der Sanierung beteiligt und wird die Künstlerklause künftig auch zu einem großen Teil inhaltlich und programmatisch prägen – mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und vielen weiteren kulturellen Formaten. Außerdem soll die Klause auch für Seminare, Vorträge, Schulungen und ähnliche Formate genutzt werden können. Das große Grundstück hinter der Klause soll für einen öffentlichen Karlsgarten (Capitulare de villis) und zum Verweilen genutzt werden können.
Ein Ort im Werden
Die Künstlerklause ist heute wieder ein Haus im Werden.
Ein historischer Ort, der behutsam neu gedacht wird – als Raum für Musik, Literatur, Kunst, Kreativität, Lernen, Begegnung und Lebensfreude!

